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Auch Männer können Yoga

Die große Nachfrage in Eurasburg zeigt, dass die sportliche Meditation keineswegs nur für Frauen interessant ist

Der Yogakurs, den der BC Rinnenthal im Kindergarten Eurasburg anbietet, ist gut besucht. Vor allem bei Frauen sind die aus Indien stammenden Übungen beliebt. Sie empfehlen sie zu Hause auch ihren Männern. „Einige haben sich sofort dafür interessiert, aber zwischen die Frauen wollten sie sich nicht legen“, erzählt Yoga-Lehrerin Anna Mayr. Weil die Gruppe ohnehin schon sehr groß war, kam die Idee auf, sie in einen Männer- und einen Frauenkurs aufzuteilen.

Beim ersten Mal sei sie überrascht gewesen, wie viele Herren sich an die Asanas (Übungen) heranwagten, gibt Mayr zu. Und Neuzugänge gebe es immer wieder. Quer durch die Altersgruppen finden die Yogis Gefallen an Kobra, Krokodil und Kerze – so anschaulich heißen die Positionen. „Mit 76 Jahren bin ich der Älteste hier“, verrät Hans Kirchberger. Yoga helfe ihm gegen Verspannungen und mache ihn beweglicher. Es sei eine sehr intensive Angelegenheit, aber jeder könne für sich selbst entscheiden, wie weit er sich dehne und strecke.

Mayr ist über die körperlichen Beschwerden mancher Teilnehmer informiert und gibt individuelle Ratschläge, wie Übungen entsprechend angepasst werden können. Auch wer Rückenprobleme oder sonstige Beschwerden hat, ist in ihrem Kurs gut aufgehoben. Vielen sehe sie an, was sie im Alltag tun: „Läufer und Fußballer erkenne ich immer sofort. Die haben meistens eine verkürzte Beinmuskulatur.“ Umso besser sei es, dann mit Yoga gegenzusteuern. „Ich finde es einen tollen Ausgleich zum Training, gerade in der Winterpause“, bestätigt Max Braun, der Fußballer ist. „Eigentlich wollte ich mir das Männeryoga nur mal ansehen, aber ich habe gleich gemerkt, dass es mir guttut.“ Yoga wird in der westlichen Welt oft als Gymnastik betrachtet. Doch es geht dabei nicht nur um Muskulatur und Beweglichkeit. Der eigentliche Zweck der teils abenteuerlich anmutenden Verrenkungen ist es, innerlich zur Ruhe zu kommen. Körper, Atem und Geist sollen in Einklang gebracht werden, die verbesserte Fitness ist nur eine gern gesehene Begleiterscheinung.

Bei Mayr beginnt jede Stunde mit einer meditativen Atemübung. Dann erst leitet sie den Sonnengruß an, eine der bekanntesten Übungsfolgen im Yoga. Spätestens jetzt ziehen die Letzten die Pullover aus – Yoga ist manchmal anstrengender, als es aussieht. Trotzdem soll auch während der Asanas ruhig geatmet werden. Sie sollen schließlich dabei helfen, Stress abzubauen und den Alltag hinter sich zu lassen. Wer Yoga mit Kraftsport verwechselt und sich angestrengt keuchend in den Boden stemmt, würde dieses Ziel verfehlen.

Nach der letzten Übung schließt Mayr die Lektion mit einer Meditation ab. Sie löscht die Raumbeleuchtung, nur einige Kerzen geben noch etwas Licht. Nichts ist mehr zu hören außer leise Musik und Mayrs Stimme. „Es ist großartig zu sehen, wie die Leute nach den Übungen ganz gelockert und auf sich selbst fokussiert auf ihren Matten liegen,“ freut sich Mayr. Das beste Kompliment für sie sei, wenn während der abschließenden Meditation jemand einschlafe. „Dann weiß ich, dass alle entspannt sind und vom Alltagsstress nichts übrig geblieben ist.“

Männer und Frauen in Eurasburg sind gleichermaßen begeistert von Mayrs Kurs. Wilfried Heckert spricht aus, was von vielen Yoga-Novizen zu hören ist: „Ich hätte nicht gedacht, dass Yoga so anstrengend ist. Aber ich werde auf jeden Fall dabeibleiben.“ Und das nicht nur, weil er sich vor seiner Frau im anderen Kurs keine Blöße geben will. Wer nun denkt, dass sich die männlichen Yogaschüler in der frauendominierten Disziplin ungeschickt anstellen, täuscht sich: „Zwischen den beiden Kursen gibt es keine Unterschiede“, berichtet Mayr.

Info und Anmeldung bei Sabine Kramer unter 08208/958553.

Friedberger Allgemeine, 02.02.2018

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